Kein Solo-Part sondern gute Gemeinschaftsarbeit – die Unternehmensnachfolge

Kein Solo-Part sondern gute Gemeinschaftsarbeit – die Unternehmensnachfolge

Bis zum Jahr 2018 sind es jährlich circa 1.000 Unternehmen in Berlin*, die aus Altersgründen aufgegeben werden müssten beziehungsweise an die nächste Generation übergeben werden könnten.

Gerade in der mittelständischen Hotellerie ist das Thema Nachfolgeregelung sehr aktuell. Viele junge Menschen möchten den elterlichen Betrieb nicht übernehmen. Was nun...

Aufgeben oder weiterführen? Wie sieht die nächste Generation aus? Wer könnte ein geeigneter Nachfolge für das Unternehmen sein? Und wie lässt sich eine Unternehmensnachfolge gut regeln?

Fragen wie diese gehören für Jana Pintz zum Alltagsgeschäft. Bei der IHK Berlin ist sie die Ansprechpartnerin für Unternehmensförderung in der Hauptstadt.

Wir, die Gronowsky & Co. Hotel Consulting, haben Jana Pitz zum Thema Unternehmensnachfolge interviewt:

Hotel Consulting: Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat im November 2015 eine Broschüre zum Thema Unternehmensnachfolge herausgebracht. Es möchte ein günstiges Klima für den Generationswechsel schaffen. Diese Broschüre richtet sich demnach an Unternehmer, die konkret an ihren Ruhestand denken und Überlegungen anstellen, wie und wem sie ihr Unternehmen übertragen.

Doch ist die Realität oft nicht so, dass der Nachwuchs bereits in den Startlöchern steht und "der Alte" nur ungern seinen Stuhl räumt? Zu welchen ersten Schritten raten Sie in einer solchen Situation?

Pintz: Es kostet Überwindung, sich von seinem Lebenswerk zu lösen und es dem Nachfolger zu übergeben. Auch wenn Unternehmer auf Grund ihres Alters die Notwendigkeit einer Unternehmensübergabe erkannt und den Nachfolgeprozess vorbereitet haben, können sie sich von ihrem Lebenswerk emotional noch nicht lossagen. Es ist für einen Unternehmer nicht einfach, sich aus dem Tagesgeschäft zurück zu ziehen und zu sehen, wie ein jüngerer Nachfolger das Steuer übernimmt. Je konkreter jedoch die Pläne des Inhabers für die Zeit nach dem Unternehmensausstieg sind, desto einfacher kann das „Loslassen“ werden.

Generell sollte die Unternehmensübergabe ein Gemeinschaftsprojekt von Unternehmer und Nachfolger sein. Denn ob ein Unternehmen weiter bestehen kann, hängt nicht allein vom unternehmerischen Geschick des Nachfolgers ab. Der Alt-Inhaber, seine Familie, Mitarbeiter und Geschäftspartner sind ebenfalls dafür verantwortlich, dass eine Übergabe reibungslos funktioniert.

Hotel Consulting: Welche Schritte müssen, ganz generell, bei einer Unternehmensübergabe bedacht werden?

Pintz: Eine der Hauptaufgaben des Senior-Unternehmers sollte es sein, sich entbehrlich zu machen. Das Unternehmen muss so aufgestellt werden, dass er beruhigt einige Wochen fehlen könnte. Oftmals erfolgt in Unternehmen die (vorübergehende) Übergabe eher unerwartet, wenn der Inhaber plötzlich erkrankt oder einen Unfall erleidet. Hiervon besonders gefährdet sind Unternehmen, deren Leistungsfähigkeit stark vom Chef abhängt und in denen es keine zweite Führungsebene gibt. Vor allem die Existenz von Einzelunternehmen oder Familienunternehmen, in denen der Inhaber alle Entscheidungen persönlich trifft, hängt am seidenen Faden.

Ebenso muss der Senior-Unternehmer darauf achten, wie attraktiv und somit zukunftsorientiert das Unternehmen für einen Nachfolger ist. Es muss sichergestellt sein, dass der Übernehmer ein ausreichendes Einkommen erwirtschaften kann, mit dem auch eine Kaufpreisfinanzierung möglich wäre.

Vorausgesetzt, ein Nachfolger ist gefunden, sollte gemeinsam geklärt werden, wie der Übergabeprozess gestaltet werden kann. Der Nachfolger sollte die Möglichkeit bekommen, das Unternehmen genau kennen zu lernen. Es muss ein Unternehmenswert ermittelt werden, aus dem sich ein Kaufpreis ableitet, den beide Partner akzeptieren und eine Bank gegebenenfalls finanziert.

Zusätzlich muss vereinbart werden, wie die Kaufpreissumme zu entrichten ist und wie die Übergabe, sukzessive oder in einem Schritt, vonstattengehen soll. Zudem sollte geprüft werden, inwieweit die Rechtsform bei der Übergabe eine Rolle spielt und welche steuerlichen sowie rechtlichen Aspekte zu beachten sind.

Hotel Consulting: Wie sieht es dabei mit Verträgen und Krediten aus? Wann muss der Senior-Unternehmer seine Mitarbeiter informieren?

Pintz: Zu Fragen bezüglich Verträgen sowie Krediten sollte sich jeder Unternehmer grundsätzlich einen individuellen juristischen Rat einholen.

Die Unterrichtung der Mitarbeiter hingegen ist gesetzlich geregelt. Sowohl der bisherige als auch der neu Betriebsinhaber sind nach §613a Abs. 5 BGB verpflichtet, die Arbeitnehmer über den Zeitpunkt und den Grund des Betriebsübergangs sowie dessen rechtliche, wirtschaftliche und soziale Folgen zu informieren. Ferner muss das Personal über eventuell sie betreffende Maßnahmen unterrichtet werden. Die Informationen müssen schriftlich übermittelt werden. Der Arbeitnehmer hat das Recht, dem Übergang seines Arbeitsverhältnisses auf den neuen Betriebsinhaber zu widersprechen. Er läuft allerdings dann Gefahr, seinen Arbeitsplatz zu verlieren, wenn er im Unternehmen nicht weiter beschäftigt werden kann. Der Widerspruch muss dem bisherigen oder neuen Betriebsinhaber schriftlich und innerhalb eines Monats nach Zugang der Unterrichtung vorgelegt werden. Auch hier empfiehlt es sich, einen juristischen Rat einzuholen.

Hotel Consulting: Wie viel Zeit sollte der Alt-Inhaber für die komplette Übergabe seines Unternehmens einka lkulieren?

Pintz: Im Durchschnitt wird von drei bis fünf Jahren ausgegangen, wobei jede Nachfolge individuell ist.

Wir bedanken uns für das Gespräch, Frau Pitz.

 

* Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn

Bitte Kommentar schreiben

Sie kommentieren als Gast.
  • Startseite
  • Allgemein
  • Kein Solo-Part sondern gute Gemeinschaftsarbeit – die Unternehmensnachfolge

Sprachauswahl mobil

Wir nutzen Cookies und Google Webfonts. Mit der weiteren Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies und Google Webfonts verwenden.
Weitere Informationen Einverstanden