Mehr als 450 Euro und doch ein Mini-Job

Welche Incentives möglich sind

Mehr als 450 Euro und doch ein Mini-Job

Wollen Gastronomen und Hoteliers ihren Mini-Jobbern zusätzlich etwas Gutes tun, kann es schnell zu einem bösen Erwachen kommen. Wird durch solche Incentives die Entgeltgrenze von durchschnittlich 450 Euro je Monat überschritten, wird die Beschäftigung sozialversicherungspflichtig.

Der Arbeitgeberanteil eines sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisses liegt zwar mit ungefähr 22 Prozent deutlich unter den pauschalen Abgaben des Arbeitgebers an die Minijobzentrale in Höhe derzeit 31,45 Prozent. In der Regel wird die Versicherungspflicht jedoch erst durch die Betriebsprüfer festgestellt. Dann wird es teuer, denn der Arbeitgeber muss auch noch den Arbeitnehmeranteil zahlen.

Doch es gibt eine Vielzahl von zusätzlichen Vergütungen, die nicht auf das Mini-Jobentgelt angerechnet werden.

Mini-Jobber mit steuerfreien Sachbezügen belohnen

Ein Warengutschein oder ein Jobticket für maximal 44 Euro monatlich darf auch einem Mini-Jobber gewährt werden, denn bis zu der sogenannten 44-Euro-Grenze sind monatliche Sachbezüge lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei. Wird die Grenze jedoch auch nur um einen Cent überschritten,wird der gesamte Sachbezug normales Entgelt und damit auf das Minijobentgelt angerechnet.

Weniger Risiko besteht, wenn der Gastronom oder Hotelier einem Mini-Jobber zusätzlich zum vereinbarten Entgelt ein Handy, Smartphone oder Tablet auch zur privaten Nutzung überlässt. Die private Nutzung ist steuer- und sozialversicherungsfrei und hat den Nebeneffekt, dass der Arbeitnehmer mit seinem betrieblichen Mobiltelefon für den Arbeitgeber auch besser erreichbar ist.

Auch für die Gesundheit seiner Mini-Jobber darf der Arbeitgeber etwas tun, ohne zusätzliche Sozialabgaben fürchten zu müssen. Maßnahmen, die den allgemeinen Gesundheitszustand des Arbeitnehmers verbessern oder der betrieblichen Gesundheitsförderung dienen, wie Rückenschule, Anti-Stress-Training oder Nichtraucherkurse sind jährlich bis zu 500 Euro pro Arbeitnehmer lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei.

Vorsicht bei Zuschlägen für Nachtarbeit sowie an Sonn- und Feiertagen

Lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei und damit für die Geringfügigkeitsgrenze von 450 Euro unschädlich sind grundsätzlich auch Zuschläge für die Arbeit während der Nacht sowie an Sonn- und Feiertagen.

Begünstigt sind die Zuschläge jedoch nur, wenn auch tatsächlich gearbeitet wird. Das ist aber während des Urlaubs und bei Krankheit gerade nicht der Fall. Regelmäßig gezahlte Zuschläge fließen jedoch mit in die Berechnung des Entgelts ein, welches während Urlaub oder Krankheit zu zahlen ist.

Damit gerät die 450-Euro-Grenze in Gefahr.

Zuschüsse für Kinderbetreuung werden begünstigt

Eltern von kleinen Kindern arbeiten oft in Teilzeit oder als Mini-Jobber, um mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen zu können. Auch hier kann der Gastronom oder Hotelier mit steuerfreien Zuschüssen finanziell unterstützen.

Begünstigt sind zusätzlich zum Arbeitslohn geleistete Zuschüsse zur Unterbringung und Betreuung von nicht schulpflichtigen Kindern des Arbeitnehmers in Kindergärten oder vergleichbaren Einrichtungen, maximal in Höhe des im Beitragsbescheid der Kindereinrichtung ausgewiesenen Betrages.

Darüber hinaus dürfen für die kurzfristige Betreuung von schulpflichtigen Kindern bis zum 14. Lebensjahr in beruflich bedingten Notfällen steuer- und sozialversicherungsfreie Zuschüsse bis zu 600 Euro im Kalenderjahr gezahlt werden.

Pauschalversteuerter Arbeitslohn neben Minijob-Entgelt möglich

Auch pauschal versteuerte Vergütungsbestandteile können neben einem Minijob-
Entgelt von 450 Euro gewährt werden. So dürfen Zuschüsse für Fahrten zwischen
Wohnung und Arbeitsstätte mit einem Pauschalsteuersatz von 15 Prozent besteuert werden.

Zur Aufbesserung der Urlaubskasse darf der Gastronom oder Hotelier Erholungsbeihilfen zahlen und pauschal mit 25 Prozent versteuern: 156 Euro für den Arbeitnehmer, zusätzlich 104 Euro für den Ehegatten und 52 Euro für jedes
Kind.

Die pauschale Lohnsteuer sowie den Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer trägt der Arbeitgeber.

Zusätzlicher Vorteil: pauschalbesteuerte Lohnbestandteile sind auch sozialversicherungsfrei.

Hinweis: Es gibt weitere Vergütungsbestandteile, die pauschal versteuert bzw. steuer- und sozialabgabenfrei gewährt werden können. Dazu gehören Aufmerksamkeiten bis zu 60 Euro pro Jahr anlässlich eines besonderen persönlichen Ereignisses sowie Vorteile aus  Betriebsveranstaltungen, die pauschal mit 30 Prozent versteuert werden können, soweit der Vorteil 110 Euro übersteigt oder mehr als zwei Betriebsveranstaltungen im Jahr stattfinden. Auch für den Gastronom oder Hotelier sind diese Zusatzvergütungen interessant, da er den Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung oder die pauschalen Abgaben an die Minijob-Zentrale spart. Doch Vorsicht: Der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde oder ein höherer tariflicher Stundenlohn darf nicht unterschritten werden. Lassen Sie sich deshalb beraten und eine Vergütungskonzeption für Ihre Mini-Jobber erstellen.

Wir danken Klaus-Peter Witt, Steuerberater der ETL ADHOGA Unternehmensberatung AG, für diesen interessanten und aufschlussreichen Gastbeitrag.

Bitte Kommentar schreiben

Sie kommentieren als Gast.

Sprachauswahl mobil

Wir nutzen Cookies und Google Webfonts. Mit der weiteren Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies und Google Webfonts verwenden.
Weitere Informationen Einverstanden