Führungsführerschein

Junge Führungskräfte gehören nicht ins kalte Wasser!

Führungsführerschein

Warum wir unseren Nachwuchs-Chefs erst das Schwimmen beibringen sollten.

Vom Tellerwäscher zum Hoteldirektor: Schnelle Karrieren sind in der Hotellerie keine Seltenheit. Ambitionierte und motivierte Mitarbeiter mit hervorragenden fachlichen Kompetenzen bekommen in unserer Branche häufig nach kurzer Zeit die Möglichkeit, Führungsverantwortung zu übernehmen. Doch was Führung bedeutet, wie Führung funktioniert und welche Herausforderungen diese Aufgabe mit sich bringen, das sagt ihnen oftmals niemand.

Stattdessen packt man sich die neuen, jungen Abteilungsleiter und wirft sie im hohen Bogen ins kalte Wasser. „Der/Die wird schon von alleine schwimmen lernen“ oder „das war schon immer so“ – so die einhellige Meinung. Doch viele der jungen Führungskräfte sind von der eisigen Kälte des Wassers so geschockt, dass sie nach kurzer Zeit wie ein Stein untergehen und ihre Mitarbeiter samt Umsatz mit in die Tiefe ziehen. Ich finde, damit muss jetzt Schluss sein!

Wir sollten damit aufhören, unsere Leute systematisch ins kalte Wasser zu werfen. Natürlich müssen sie letztlich selber schwimmen, aber es ist unsere Aufgabe, ihnen vorher zu sagen, wie kalt das Wasser ist, wie tief und welche Schwimmtechniken es gibt, die ihnen helfen, immer mit der Nase über der Wasseroberfläche zu bleiben. Und wenn sie doch einmal zu viel Wasser schlucken, dann sollten wir ihnen den Rettungsring zuwerfen. Mit anderen Worten: Wir müssen unseren Nachwuchsführungskräften Möglichkeiten an die Hand geben, sich gezielt weiterzubilden und Führung zu lernen.

Chef zu werden ist nicht schwer, Chef zu sein dagegen sehr.

Noch immer ist Personalarbeit und Weiterbildung eher Kosten- als Entwicklungsfaktor. Kurzfristig bringt diese Einstellung zwar mehr Gewinn, langfristig schadet sie dem Unternehmen aber. Nachhaltiges Handeln ist auch hier gefragt. Ein guter Abteilungsleiter muss seine Aufgaben nicht nur fachlich sicher erledigen können, sondern auch die Interessen seiner Mitarbeiter wahrnehmen und sie individuell motivieren. Der aktuelle Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes zeigt hingegen, dass in Sachen individueller Führung im Hotel- und Gastgewerbe noch viel Luft nach oben ist. Die DGB-Jugend befragt jedes Jahr Tausende Auszubildende zu ihren Ausbildungsbedingungen, der Ausbildungsqualität und auch zu ihren Chefs. Das bittere Ergebnis: Die Berufe mit den schlechtesten Bewertungen waren die des Hotel- und Gastgewerbes. Laut den Auszubildenden fehle ihren Führungskräften häufig das nötige Fingerspitzengefühl, um sie individuell zu motivieren. Mitarbeiter-Ausflüge wie Messebesuche empfinden viele Mitarbeiter heute nicht mehr als Belohnung, sondern als zusätzliche Arbeit. Hier gilt es deshalb, genau hinzuschauen und hinzuhören, welche Belohnung die richtige sein könnte. Den einen bringt ein finanzieller Bonus in Ekstase, der andere freut sich über Freizeit, die Kindergartenzulage für den Nachwuchs oder einen Gutschein für einen Tag im Wellnesstempel.

„Das Problem in der Führung sind die Abteilungsleiter.“ Wie bitte?

Diesen Satz habe ich auf einer Tagung von einem gestandenen Hotelier gehört. Und ich musste ihm vehement widersprechen: Das Problem sind nicht die Abteilungsleiter, sondern die Hoteldirektoren und Inhaber, die Mitarbeiter nur aufgrund ihrer fachlichen Kompetenzen befördern. Beim Thema zwischenmenschliche Kommunikation, Konflikt- oder Personalmanagement lassen sie die Abteilungsleiter dann im weiten, kalten Hotel-Ozean treiben – schließlich haben sie sie ja nicht eingestellt, um sie für teures Geld weiterbilden zu lassen. Wenn die Mitarbeiter Glück haben, bekommen sie eine Weiterbildung zur Ausbilder-Eignung. Bestenfalls. Doch Mitarbeiterführung, Psychologie, Arbeitsrecht, motivierende Mitarbeitergespräche, Dienstplangestaltung usw. stehen hier nicht auf dem Stundenplan. Unsere traditionelle, fachlich fundierte Ausbildung ist daher aus meiner Sicht nicht ausreichend, um Mitarbeiter auf künftige Führungspositionen vorzubereiten.

Wir brauchen einen Führungsführerschein!

Führung kann man lernen – wie das Autofahren: In der Fahrschule haben wir uns mit Hilfe unseres Fahrlehrers in theoretischem und praktischem Unterricht die Fähigkeiten angeeignet, die wir dazu brauchen. Kuppeln, schalten, Gas geben und noch viel mehr: Sein Ziel kennen, sich bei der Navigation durch den dichten Berufsverkehr auf die anderen Verkehrsteilnehmer einstellen können, vorausschauend und ressourcensparend fahren, schnelle und gleichzeitig achtsame Entscheidungen treffen. Manchmal müssen wir auch mal hupen, um die anderen Autofahrer auf den richtigen Weg zu bringen oder auf ein Fehlverhalten hinzuweisen. Und ganz nebenbei sollte man sich dabei auch noch an die Verkehrsregeln halten. Übertragen auf die Hotellerie heißt das: Wir müssen den neuen Abteilungsleitern beibringen, wie Führung funktioniert, was Menschen brauchen, welche psychologischen Grundregeln es gibt und wie man sie nutzt, um „unfallfrei“ und sicher ans Ziel zu kommen. Also: Lassen Sie uns endlich damit anfangen, unseren Abteilungsleitern Führung beizubringen und vor allem: Lassen Sie uns damit aufhören, sie ins kalte Wasser zu werfen!

Wie geht’s weiter?

Gute Initiativen zum Thema Weiterbildung gibt es ja schon. Einige Hotelgesellschaften und auch einzelne Hotels haben eigene interne Trainings-Akademien oder zumindest gute Schulungsprogramme. Dennoch wird meist fachlich geschult und die persönliche Weiterbildung vernachlässigt.

Was ich mir wünsche? Eine branchenübergreifende Initiative und ein wachsendes Verständnis dafür, dass unsere jungen Talente auch zum Thema Führung und Persönlichkeitsentwicklung geschult werden müssen. Gerade flachere Hierarchien stellen hohe Anforderungen an Abteilungs- und Teamleiter. Doch es tut sich schon etwas.

Ganz aktuell hat die Deutsche Hotelakademie das DHA-Weiterbildungsprogramm „Fit for Leadership – der Führungsführerschein“ entwickelt. Hier werden Führungskräften – und solchen, die es werden wollen – die zentralen Kompetenzen zur erfolgreichen Mitarbeiterführung vermittelt!

Führung kann man lernen!

 

Autor: Elke Schade, Hotelberatung & Coaching

www.elke-schade.de

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