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Aufladen und mitverdienen – wie Hoteliers von Elektromobilisten profitieren können

Ein Interview mit Dr. Mark Steffen Walcher von smartlab GmbH

Aufladen und mitverdienen – wie Hoteliers von Elektromobilisten profitieren können

Eine Million sollen es sein bis 2020, dabei sollen sie über eine Reichweite bis zu 500 Kilometer verfügen. Ehrgeizige Ziele, die sich die Große Koalition rund um das Thema Elektroautos gesetzt hat.

Anfang des Jahres, so hat Spiegel Online1 ermittelt, waren in Deutschland „tatsächlich aber [...] nur 25.502“ Elektroautos zugelassen.

Um diesen Absatz anzukurbeln, fördert die Große Koalition derzeit den Kauf sogenannter Stromer mit bis zu 4.000 Euro. Wer sich gerade in Gedanken mit dem Erwerb eines Elektroautos beschäftigt, kann sich zum einen auf den Seiten von utopia.de2 genau informieren, welche Automodelle wie hoch gefördert werden. Zum anderen werden sich diese Interessenten auch die Frage stellen, wo kann ich mein zukünftiges umweltfreundliches Auto betanken, also aufladen.

Auch wir, die Gronowsky & Co. Hotelconsulting aus Berlin, sahen uns mit dieser Frage konfrontiert, da viele Hoteliers an ihrer Nachhaltigkeitsstrategie arbeiten. Wir wollten wissen, wie einfach, sprich umgänglich, ein Elektroauto in der Praxis ist. Dazu zählt auch der Punkt „Tanken“, in diesem Fall „Aufladen“.

Zu dieser Thematik befragten wir Herrn Dr. Mark Steffen Walcher, Geschäftsführer der smartlab Innovationsgesellschaft mbH. Er ist verantwortlich für ein bundesweites Ladenetzwerk für Elektroautos. Von ihm erfuhren wir Wissenswertes rund um das Thema „Aufladen“ und einer möglichen Partizipation an E-Tankstellen:

Gronowsky & Co.: Bei Anschaffung eines sogenannten Stromers nimmt die Reichweite eine wesentliche Rolle ein. Was muss ich vor dem Kauf diesbezüglich berücksichtigen?

Herr Dr. Walcher: Bis vor kurzem war die Reichweite die Achillesferse der E-Autos, das gehört aber schon bald der Vergangenheit an. Der neue Opel Ampera-e wird ohne Ladestopp die 500-km-Marke überbieten können (nach NEFZ3) und damit müssen auch alle anderen Hersteller mitziehen. Nächstes Jahr bringen NISSAN und Renault Fahrzeuge auf den Markt, die ebenfalls über eine sehr hohe Reichweite verfügen. [...] Es ist wichtig zu wissen, dass in der Praxis meist nur Zweidrittel der angegebenen Reichweite erreicht werden.

Gronowsky & Co.: Kann ich mein E-Auto an einer x-beliebigen E-Tankstelle aufladen?

Herr Dr. Walcher: Da alle öffentlich zugänglichen Ladesäulen über einen sogenannten „Typ 2-Steckerplatz“ verfügen, können alle Autos daran tanken. Allerdings muss man dazu auch berechtigt sein, beispielsweise per RFID-Karte von ladenetz.de.

Gronowsky & Co.: Was heißt das konkret?

STAWAG LadesuleHerr Dr. Walcher: Normalerweise ist ein Elektromobilist bei einem sogenannten Mobilitätsdienstleister angemeldet. Dies kann beispielsweise direkt bei BMW mit der „ChargeNow Karte“ oder bei Volkswagen mit der „Charge&Fuel Card“ sein.
Wir, die smartlab GmbH, setzen beim Thema Laden auf einen einfachen Zugang zur Ladestation, das heißt, man erwirbt eine sogenannte „RFID-Ladekarte“ beim heimischen Stadtwerk und kann damit bei allen anderen Stadtwerken, derzeit 75 Stadtwerke-Partnern, aber auch beispielsweise in Hamburg, Berlin, Stuttgart und vielen weiteren Partnern tanken. Wo das genau ist, kann man unter www.ladennetz.de  sehen. Dort muss man einfach den aktuellen Standort eingeben und sofort werden alle Ladesäulen im Umkreis angezeigt. Dann muss man nur noch die Karte gegen die Ladesäule halten, einstecken und der Tankvorgang kann beginnen. Am Ende entfernt man sein Ladekabel und fährt von dannen.

Gronowsky & Co.: Das hört sich einfach an. Gibt es dennoch einen Knackpunkt?

Herr Dr. Walcher: Das Wichtigste für einen Betreiber einer Ladesäule ist es, dass möglichst viele Leute berechtigt sind, an einer Säule zu tanken, umso höher sind die Erträge für den Betreiber. Das wäre auch für Hoteliers interessant, die eine Säule betreiben wollen. Fahrer, die heute schon ladenetz.de nutzen können, sind u.a. die Fahrer von AUDI, BMW, DKV, Mercedes-Benz, NISSAN, Renault, Smart und Volkswagen. Tankt einer dieser so genannten E-Mobilitätspartner, werden dem Ladesäulenbetreiber automatisch Erträge gut geschrieben.

Gronowsky & Co.: Klingt interessant. Welche Voraussetzungen muss ein interessierter Hotelier mitbringen, wenn er eine E-Tankstelle an seinem Hotel anbieten möchte?

Herr Dr. Walcher: Ein Hotelier muss einfach nur einen geeigneten Parkplatz auswählen und eine Stromanschlussmöglichkeit für die Ladestation haben. Ist die Ladesäule öffentlich zugänglich, sollte sie noch über einen guten Telefonempfang verfügen, da für die Onlineanbindung eine handelsübliche SIM-Karte eingesetzt wird. Die Gäste haben genügend Zeit, um den Akku wieder ausreichend vollzuladen, da sie bei einem Restaurantbesuch mindestens eine Stunde und als Hotelgäste sogar über Nacht bleiben.

Wie eine Ladesäule aufgebaut ist und welche Fördermaßnahmen für E-Tankstellen-Betreiber seitens der Bundesregierung existieren, erfahren Sie im zweiten Teil unseres Beitrags im Januar 2017.

 Dr. Mark Steffen Walcher Ausschnitt

Quellen:
1.) http://www.spiegel.de/auto/aktuell/elektroautos-jedes-zweite-auto-verschwindet-aus-der-statistik-a-1086729.html
2.) https://utopia.de/ratgeber/elektroauto-praemie-foerderung/
3.) https://www.vda.de/de/themen/umwelt-und-klima/abgasemissionen/kraftstoffverbrauch-im-nefz.html

Bildnachweis: STAWAG/foveart

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